Freitag, 20. November 2009

Magazin für politische Kultur

Lieber Herr Cicero,
leider weiß ich über Politik gar nicht viel. Aber deine Zeitschrift finde ich ganz toll. Weil, wenn ich die gelesen habe, kann ich überall ein bisschen mitreden. Und im Zug, wo ich manchmal darin rumblättere, schauen die Leute immer ganz erstaunt auf das, was ich lese. Da werde ich richtig stolz.
Besonders hat mir in der letzten Ausgabe die Geschichte vom Siggi Peppone aus dem Harz gefallen. Dort habt ihr ganz genau erklärt, wie der neue Vorsitzende der SPD aufgewachsen ist. Und wie er wurde, was er jetzt ist. Der Sigmar Gabriel hatte es nämlich überhaupt nicht leicht als Kind, habe ich erfahren. Denn "wenn er sich zum Spielen trifft, dann draußen" (S.66). Das hat mir total leid getan. Vor allem, wenn man die Folgen anguckt: "Der Bub wird vor Kummer still und dick, wenn die Kinder Gummitwist spielen, steht er trüb am Rand" (S. 66). Schön, dass der Sigmar es heute geschafft hat. Ich meine, insgesamt. Obwohl, ein bisschen steht er ja immer noch an der Seite. Und ein bissel dick ist er ja auch geblieben.
Später, an der neuen Schule, ging es dann besser mit dem Siggi. "Die neuen Schulkameraden nennen ihn liebevoll 'Dicke Gabi', aber er wird nicht gemobbt" (S. 69). Das finde ich schön, wenn alle einen 16jährigen Jungen "Dicke Gabi" rufen und er dabei nicht gemobbt wird. Heutzutage ist das ganz selten.
Gut auch, dass deine Zeitungsleute rausgekriegt haben, wie es mit ihm aufwärts ging. "Mit 16 Jahren entdeckt Sigmar, bisher keine Sportskanone, die Liebe zum Hüftschwung auf dem Discoparkett. Im Tanzverein TSC Schwarz-Gold lässt er wöchentlich Dampf und Schweiß ab, und erbarmt sich dabei immer auch unbeliebter Mädchen..." (S. 70). Ich musste ein bisschen schmunzeln, der rote Sigi im TSC Schwarz-Gold, ... das passt doch, oder nicht? Sicher kam das bei seinen Kumpels total gut an, mit Tanzen und den doofen Mädchen und so. Aber Kumpels hatte er ja wohl nicht. Dafür aber den totalen Weitblick. In eurem Heft veröffentlicht ihr auch ein Bild von einer Klassenarbeit, wo der Sigmar als Referendar einem Schüler mit Rot unter Ausländerproblem geschrieben hat, dass es "wenn überhaupt, nur politische Probleme im Umgang mit Ausländern" gäbe (vgl. S. 68). Gut, dass der Sigmar als angehender Lehrer das damals so korrigiert hat.
Und auch jetzt, wo der Herr Gabriel so ein richtig bekannter Politiker ist, scheint er ein normaler Mensch geblieben zu sein. In einem ganz normalen Haus. Mit einer ganz normalen Freundin. "Jetzt ist es die blonde Zahnärztin Anke Stadler, die am Wochenende dort mit ihm seine Asterix-Sammlung durchblättert, ihn begleitet, wenn er die alten Schulfreunde im 'Köpi', der Ortskneipe, trifft oder die greise, zuckerkranke Mutter im Rollstuhl über den Marktplatz schiebt" (S. 71). So einer ist der Sigmar. Das steht in deiner Zeitung, lieber Cicero. Und die ist für ganz gebildete Leute.

Oder willst du mich nur veräppeln?
Dein Leser Kai

1 Kommentar:

Frank hat gesagt…

Danke Kai, du hast mir mit diesem Text das erste Lachen des Tages beschert.