Mittwoch, 3. März 2010

Der gläserne Fahrgast

Kleine Brille aus Edelstahl im Schubert-Look, karierte Kappe, Parka mit Falschpelz-Kragen. So lümmelt dieser Typ im Regio-Express schräg vor mir. Um die 25, auf der Ablage zwei Mobiltelefone. In das Head-Set des einen spricht er laut hinein. Wir Mitreisenden können gar nicht anders, als das Gespräch zu verfolgen. Er kontaktiert seine Bank. Ein Telekommunikationsanbieter habe sein Konto gepfändet, ohne Warnung. Nein, nicht einmal eine schriftliche Mahnung habe es gegeben. Und eine Service-Nummer auch nicht. Um alles zu klären. Das ist absurd, denke ich mir. Keine Kommunikation mit einem Kommunikationskonzern. Und: wäre ich das, hätte ich schon die Nerven verloren. Der Typ bleibt gelassen. Jetzt spricht er in das andere Handy. In einer anderen Sprache. Italienisch? Portugiesisch? Ich bemühe mich, wegzuhören. Da ich ja eh nichts verstehe. Dann tönt das erste Telefon. Jetzt wird es geschäftlich. Wobei ich beim zweiten Telefonat nicht ausschließen kann, dass es sich nicht auch um´s Business gedreht haben könnte. Von der Intonation war es kein Gespräch mit der Mama! Er lenkt ein. Akzentfrei. Natürlich könne er den Wagen in dieser Woche besorgen. Er habe noch einen Maserati auf Lager. Kein Problem!
Das Alter passt nicht zum Geschäftsgebahren, die Automarke nicht zum Ärger mit dem Telfonkonzern. Oder gerade doch?
Nach dem Aussteigen schwinge ich mich zwar nur auf mein altes Fahrrad, doch freue ich mich als Angestellter auf einen geregelten Gehaltseingang. Und darüber, dass die Wahrscheinlichkeit relativ gering ist, dass eines Tages die Mafia vor der Tür steht.

1 Kommentar:

steffi hat gesagt…

Ich nehme stark an, dass der Falschpelz-Parka-Typ die Leute einfachn nur vera...lbert hat!
Vielleicht ein Schauspielstudent...Spätestens beim Maserati wird man skeptisch...