Im schwülwarmen Regionalexpress versuche ich "Die Eleganz des Igels" zu lesen. Renée, die verkannte Concierge mit den Hühneraugen, macht sich Gedanken über Kant und die Phänomenologie. "Wir kennen von der Welt das, was unser Bewusstsein über sie sagen kann, weil es sich ihm zeigt - und nicht mehr." In Wurzen steigt ein Pärchen ein, sie hochschwanger im Jeansröckchen, er mit BILD-Zeitung und Bierflasche. Sie nimmt gleich die Füße hoch, er einen tiefen Schluck. Und dann liest er Boulevard. Ich versuche, Renée weiter zu folgen, doch mein Bewusstsein flüstert mir gehässig ins Ohr: Das arme künftige Kind!
"Vielleicht ist meine Katze, die ich gegenwärtig als fettleibigen Vierfüßer mit bebenden Schnurrhaaren erfasse und die ich in meinem Geist in eine mit dem Schild KATZE versehene Schublade einordne, in Wirklichkeit und in ihrem eigenen Wesen eine Kugel aus grünem Leim, die nicht miau macht." Mmh, ich blicke nach links, um ein bisschen vom Menschentheater mitzubekommen. Doch weder hat er gerülpst, noch hat sie ihn wegen der fast ausgetrunkenen Bierflasche verbal-vulgär angefahren. Sie reden nur leise miteinander, ganz unspektakulär. Ich lese weiter. "Machen sie die Übung, Ihre Katze anzusehen und sich zu fragen, wie es kommt, dass Sie wissen, wie sie von vorne und hinten und unten und oben beschaffen ist, obschon Sie sie gegenwärtig nur von vorn wahrnehmen. Ihr Bewusstsein hat ... dieses vollständige Bild der Katze geschaffen, das Ihre augenblickliche Sicht Ihnen nie preisgibt." Darüber muss ich nochmal in Ruhe nachdenken und klappe das Buch zu. Ich blinzle, als wolle ich schlafen, und möchte endlich wahres "Prekariat" erhaschen. Doch die zwei reden ganz angenehm miteinander. Und die BILD hat er längst beiseite gelegt. Ich drehe meinen Kopf, um das Bierflaschenetikett zu lesen: "Disco-Cola"! Es ist nicht einmal ein Gerstensaft-Mix! Sie streicht derweilen ihren Bauch. Und jetzt schäme ich mich fast ein bisschen. Und stelle mir beim Aussteigen die entscheidende Frage: Liegt das jetzt am Kant`schen Idealismus oder daran, dass regionale Brauereien ihre alkoholfreien Erfrischungsgetränke in braunen Bierflaschen abfüllen?
"Vielleicht ist meine Katze, die ich gegenwärtig als fettleibigen Vierfüßer mit bebenden Schnurrhaaren erfasse und die ich in meinem Geist in eine mit dem Schild KATZE versehene Schublade einordne, in Wirklichkeit und in ihrem eigenen Wesen eine Kugel aus grünem Leim, die nicht miau macht." Mmh, ich blicke nach links, um ein bisschen vom Menschentheater mitzubekommen. Doch weder hat er gerülpst, noch hat sie ihn wegen der fast ausgetrunkenen Bierflasche verbal-vulgär angefahren. Sie reden nur leise miteinander, ganz unspektakulär. Ich lese weiter. "Machen sie die Übung, Ihre Katze anzusehen und sich zu fragen, wie es kommt, dass Sie wissen, wie sie von vorne und hinten und unten und oben beschaffen ist, obschon Sie sie gegenwärtig nur von vorn wahrnehmen. Ihr Bewusstsein hat ... dieses vollständige Bild der Katze geschaffen, das Ihre augenblickliche Sicht Ihnen nie preisgibt." Darüber muss ich nochmal in Ruhe nachdenken und klappe das Buch zu. Ich blinzle, als wolle ich schlafen, und möchte endlich wahres "Prekariat" erhaschen. Doch die zwei reden ganz angenehm miteinander. Und die BILD hat er längst beiseite gelegt. Ich drehe meinen Kopf, um das Bierflaschenetikett zu lesen: "Disco-Cola"! Es ist nicht einmal ein Gerstensaft-Mix! Sie streicht derweilen ihren Bauch. Und jetzt schäme ich mich fast ein bisschen. Und stelle mir beim Aussteigen die entscheidende Frage: Liegt das jetzt am Kant`schen Idealismus oder daran, dass regionale Brauereien ihre alkoholfreien Erfrischungsgetränke in braunen Bierflaschen abfüllen?
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