Samstag, 28. Mai 2011

Klassen- und Kursfahrten


Die Unterkünfte bei Klassenfahrten lassen sich grob in vier Kategorien unterteilen. Kategorie eins gehört zur einer aussterbenden Art - die klassische Jugendherberge. Dort macht der Herbergsvater die Belehrung noch selbst, meist im Gemeinschaftsraum, wo es am Morgen Tee gibt. Kaffee erhalten nur die Betreuer, gegen Aufpreis natürlich. Wahlweise nächtigt der jugendliche Gast in einem großen alten Zimmer mit Quietsche-Dielen oder im unbeheizbaren Bungalow. Der aufsichtsführende Pädagoge hat das Privileg des Doppelzimmers gemeinsam mit dem begleitenden Elternteil. Zum Schlafen kommt er generell nicht, da er es sich mit den Herbergseltern nicht verscherzen möchte und die Gangaufsicht von 3 Uhr bis 5 höchstselbst übernimmt. Meist schmeckt es hier ganz gut, denn die Herbersgmutter ist auch die Küchenchefin.
Kategorie zwei sind Hotels, die sich über Schulfahrten ein kleines Zubrot verdienen möchten. Die Zimmer haben ein eigenes Bad, Doppelbetten und manchmal auch Fernsehen. Auf alle Fälle sind sie für die Belegung mit Jugendlichen denkbar ungeeignet. Gerade bei jüngeren Klassen erübrigt sich hier auch eine großartige Planung von Events in der näheren Umgebung, da die Zöglinge ihre Zeit am liebsten Chips kauend vor der Glotze verbringen. Problematisch ist nur, dass sie dann meist ausgeruht die Nacht zum Tage machen. Beim Frühstücksbuffett muss der Klassenlehrer ermüdende Gespräche mit den Hotelgästen führen, die mit solchen Gepflogeheiten ihre Probleme haben und sehr spießig auf das Recht ihrer Nachtruhe pochen.
Kategorie drei zeichnet sich durch einen betont jugendlich-lockeren Führungsstil aus. Ein Duz-Praktikant mit Rastalocken (Hallo, ich bin der Torsten!) suggeriert den Neuankömmlingen meist Freiheiten (In der Bar zwei Straßen weiter ist mittwochs immer Happy-Hour!), die sie überfordern und sich dann als Fallstricke erweisen (Nach zweimaligem Anruf bei Störung der Nachtruhe behalten wir die Kaution ein!). Dafür sind die Unterkünfte bunt gestrichen und haben einen Getränkeautomaten im Foyer. Tischtennisplatten gibt es aber keine.
Kategorie vier habe ich vorige Woche kennen gelernt. In elf Geschossen kommen gefühlte 38 Reisegruppen aus ganz Europa unter. Hier verliert Niederländisch echt seinen Charme, vor allem wenn es von angetrunkenen 17Jährigen nach Mitternacht durchs Vestibül "gerülpst" wird. Sogar wenn man eine S-Bahn-Station zu früh aussteigt, verweist der Curry-Wurst-Mann die Koffer schiebende Reisegruppe zur gewünschten Unterkunft, noch bevor man den Namen des Hostels ausgesprochen hat (Zum "Generator" jet et jradeaus, ne Viertelstunde müsst ihr loofen!). Am Abend finden wechselweise Karaoke-, Bingo- und Beer-Bottle-Partys in der praktischerweise gefliesten Bar statt. Die Wände der Kleinstzimmer sind abwaschbar und mit Bett, Hocker und Reisetaschenabstellfläche funktional eingerichtet. Der einzige Zierrat an der Wand ist ein verschraubtes Poster mit einer Schwarz-weiß-Fotografie. Die zeigt zwei Jungs, die sich an einem südländischen Brunnen ein "Beer" teilen. Und wenn man als Betreuer gegen halb zwei einschläft, dann muss man keine Angst haben. Die Chance, dass das Krachen im achten Stock von den eigenen Schülern stammt, ist dermaßen gering, dass man sich ohne schlechtes Gewissen einfach auf die andere Seite drehen kann. Ich habe es genossen.

1 Kommentar:

steffi hat gesagt…

Ich habe mich sehr über die Beschreibung der Kategorien amüsiert.
Erfahrungen machte ich bisher mit der 1 und 3!
Manchmal hätte ich mir die 4 gewünscht...
Freue mich für dich, dass so der Nachtschlaf gesichert war.