Dienstag, 30. August 2011

Perspektivwechsel

Mit einem Baby in der Stadt unterwegs zu sein, führt zu neuen Sichtweisen auf die Dinge und spontanen Verhaltensänderungen. Auf einmal werden Aufzüge in Kaufhäusern wichtig und Bordsteinkantenabsenkungen essentiell. Wenn die Bahn kommt, hält man schon von weitem Ausschau nach dem Kinderwagenabteil. Und zum natürlichen Feind, dem Autofahrer, gesellt sich neuerdings auch der Radfahrer. Müssen die Idioten im Park zu dritt nebeneinander fahren? Kann dieser Kretin nicht seine Pfoten an den Lenker nehmen, wenn er uns überholt, anstatt freihändig rumzuposen?
Während in diesen Fällen das übervorsichtige Vaterauge die Möglichkeit eines Unglücks voraussieht, stellt der zugeparkte Gehweg ein wirkliches Ärgernis dar. Meist sind es auch noch solche Protze-Schlitten. Da wünscht man sich, dass die Kinderwagen-Ingenieure nicht nur allerlei neumodischen Schnick-Schnack an das Gefährt konstruiert hätten (Unser Wagen hat vorn zwei kleine Reißverschlüsse mit Taschen dahinter, die kein Mensch braucht, da das Baby noch nicht mit dem Handy telefonieren kann), sondern sich auch von Klassikern der Filmgeschichte Anregungen geholt hätten. In der berühmten Wagenrennen-Sequenz in "Ben Hur" fahren Sporne aus den Naben der Streitwagen heraus, mit denen man prima die Speichen des Gegners schreddern kann. Ich weiß, in Berlin klärt man das derzeit noch ganz anders, aber mit Kind wäre mir das echt zu heiß.

Um einer Konfrontation mit den Besitzern von Nobelkarrossen und dem Gesetz aus dem Weg zu gehen, bietet sich für Eltern auch das Herumtragen des Babys an. Dass die Entscheidung für das geeignete System gleichsam eine philosophische Grundsatzentscheidung abverlangt, sei nur am Rande angemerkt. Wir haben gegen DAS TUCH und für eine Trage gevotet. Und selbst da konkurrieren unterschiedliche Marken um die Gunst bestimmter Kunden-Typen und ihrer Lebensanschauung:

Ergo Baby Carrier - der Mercedes unter den Babytragen - schafft schon vom Namen her eine Verbindung zwischen der um das gesundheitliche Wohl des Kindes besorgten Mutter und dem sportlich-innovativen Lebensstil des Vaters
Baby Björn - klingt wie eine skandinavische Spielzeugpuppe mit Pullermann zum Pippi-Lassen
Manduca - erscheint so exotisch wie eine Südseeinsel, aber auch ein bisschen wie ein giftiger Fisch aus den Tropen
Bondolino - man denkt sofort an knackiges Frischgemüse aus der Dose, wirkt aber auch wie ein lustiger Schlenkerer

Deshalb haben wir uns auch für die letztgenannte Trage entschieden und sind sehr zufrieden. Leider ist im Lieferumfang der kleine Handspiegel nicht inbegriffen, mit dem mann sein kleines Söhnchen suchen kann.

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