Man kann am Sonntag prima mit Kleinkind in der Moritzbastei brunchen. Nicht nur, dass Rührei, Bratwürschtel und Schokopudding schmecken, es ist auch so schön schummrig im Gewölbe. Und da fällt es kaum auf, wenn unter Kneechees Stühlchen Krümel, ausgelutschte Weintrauben und ein halbes Gehacktesklöpschen liegen bleiben. Ganz anders ist das in unserer Küche ... Übrigens auch ein Argument dafür, öfters auswärts zu frühstücken. Das Problem an der MB ist nur, dass sie im 16. Jahrhundert nicht dafür gemauert und später im Rahmen einer Aufbau-Initiative von Studenten in unzähligen freiwilligen Arbeitsstunden wieder ans Licht gebracht wurde, um in ihr unter erträglichen Bedingungen einem Kind die Windel zu wechseln. Da bieten sich dem Nutzer eher die hygienisch einwandfreien Räumlichkeiten des Zeitgeschichtlichen Forums an. Und wenn man schon mal da ist, schaut man sich gleich in der Wechselausstellung um: "Zeichen - Sprache ohne Worte"
Die immer ein wenig finster blickenden Museums-Aufpasser schienen sich das Motto der aktuellen Exposition zu eigen gemacht zu haben. Das wurde auch nicht besser, als der Kneechee in voller Begeisterung auf eine beleuchtete Darstellung des Che Guevara eintrommelte. Das Plexiglas sprang unten aus der Fassung. Und hinter der Super-Ikone des 20. Jahrhunderts befand sich ... eine energiesparende Leuchtstoffbirne. Sonst nichts. "Lassen Sie das nur!", kommentierte warnend der Angestellte unsere vergeblichen Reparaturversuche. Und dabei hatten wir nur offen gelegt, was uns der Informationstext bestätigte. Das Konterfei hat seine einstige politische Botschaft weitgehend verloren.

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